Strategie: Paradoxe Intention 

Oft setzt man sich Ziele, aber erreicht sie nicht. Man will entspannter sein, wird aber dadurch noch verbissener. Hier kann paradoxe Intention helfen. Damit nimmt man sich das Gegenteil dessen vor, was man bislang erfolglos angestrebt hat. Häufig lässt sich dadurch unerwünschtes Verhalten im Beruf oder bei der Arbeit abstellen. Das Prinzip der paradoxen Intention Manchmal ist es vertrackt. Man steckt sich ehrgeizige Ziele, erreicht dadurch aber anscheinend noch weniger. Es kommt etwas dazwischen, die Arbeit stockt, man sieht seine Vorsätze schwinden. Das schlechte Gewissen und die Angst zu versagen führen dann dazu, dass man seine Zielliste wieder und wieder verlängert – mit noch mehr Gewissensbissen. Ein Teufelskreis ist in Gang gesetzt. Hier kann es hilfreich sein, mit paradoxer Intention zu arbeiten, also mit Vorsätzen, die das Gegenteil dessen beinhalten, man sich so sehnlich wünscht. Als erster arbeitete der Begründer der Logotherapie, Viktor Frankl, damit. Seinen Patienten, die über vegetative Symptomen wie übermäßiges Schwitzen oder Einschlafstörungen klagten, „verschrieb“ er diese. Mit dem Ergebnis, dass meistens schon innerhalb einer Woche die Symptome abnahmen. Das dahinterstehende Wirkprinzip ist, dass mit paradoxen Intentionen die Erwartungsangst abnimmt. Damit klingt auch das unerwünschte Verhalten ab, das durch die Angst geschürt wird. Außerdem wird eine paradoxe Expertenempfehlung oft als Witz aufgefasst, und Humor kommt ins Spiel, wo bislang Besorgnis herrschte. Schließlich können entgegengesetzte Absichten – z.B. seine Wut zu spüren, anstatt sie zu unterdrücken – dazu führen, dass man sich authentischer verhält und damit leichter seine Ziele erreich



Logotherapie und Existenzanalyse nach Victor Frankl


Die Logotherapie – nicht zu verwechseln mit Logopädie – ist eine sinnzentrierte, wertorientierte und ressourcenbezogene Psychotherapie und Beratung. Sie wurde vom Wiener Psychiater Victor Frankl (1905 – 1997) entwickelt.

Existenzanalyse: von lat. existentia – Dasein – und griech. analysis – Zerlegung, Untersuchung – meint die zugrunde liegende Theorie und das Menschenbild.

Logotherapie: von griech. logos – Sinn – meint eine Psychotherapie, in der es dem Menschen ermöglicht wird, wieder Sinn in seinem Sein zu sehen.


Logotherapie und Existenzanalyse nach Victor Frankl Die Logotherapie – nicht zu verwechseln mit Logopädie – ist eine sinnzentrierte, wertorientierte und ressourcenbezogene Psychotherapie und Beratung. Sie wurde vom Wiener Psychiater Victor Frankl (1905 – 1997) entwickelt. Die Grundlage der Logotherapie und Existenzanalyse ist Frankls ganzheitliches Menschenbild. Er berücksichtigt sowohl die körperliche wie auch die psychische und geistige Dimension des Menschen. Er betont, dass die geistige Dimension das sei, was den Menschen zum Menschen macht. Diese umfasse den Willen um Sinn, die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung sowie die persönliche Freiheit und Verantwortung in Bezug aus seine eigene Lebens- und Beziehungsgestaltung. Heutzutage leiden immer mehr Menschen darunter, dass ihre Frage nach Sinn ohne Antwort bleibt. Deshalb geraten viele in eine Lebenskrise. Diese Frustration auf der Suche nach sinnerfüllter Lebensgestaltung kann zu verschiedensten körperlichen und psychischen Fehlfunktionen führen. Die Logotherapie und Existenzanalyse begegnet den Menschen in ihrem Ringen nach Sinn und begleitet sie in ihren Bemühungen, ihr Leben eigenverantwortlich und sinnerfüllt zu gestalten. Frankls Therapie- und Beratungsansatz lässt sich verstehen als «Wegbegleitung der eigenverantwortlichen Sinnsuche». Die Logotherapie und Existenzanalyse ist in allen Lebenslagen und in jedem Lebensalter, bei Gesunden wie Kranken, mit Gewinn anwendbar.


Sinn nach Viktor Frankl

Für Viktor Frankl ist der Mensch immer ein Wesen auf der Suche nach einem sinnvollen Handeln und Erleben. Der Mensch will Sinn in seiner Existenz finden und diesen auch realisieren. Sinn ist damit das zentrale Thema für den Menschen. In der Sinnfrage begegnet der Mensch der zentralen Frage seines Lebens. Viktor Frankl (1905 – 1997) setzte sich intensiv mit den psychologischen Theorien und Konzepten seiner Zeit auseinander (Sigmund Freud/Alfred Adler). Frankl überlebte als Einziger seiner Familie verschiedene Konzentrationslager. Seine Erfahrungen in diesen Lagern beschrieb er im Buch «…trotzdem Ja zum Leben sagen». Darin zeigte er, dass es selbst unter extremsten inhumanen Bedingungen möglich ist, Sinn im Leben zu finden. Anwendungen des Konzeptes Sinn nach Viktor Frankl Wenn der Mensch auf der Suche nach Sinn ist, mit seinem Leben etwas Sinn-volles anstellen will, so will er dies nicht nur in seiner Freizeit, sondern auch, wenn er arbeitet. Für Frankl geht es um Sinn-Verwirklichung, nicht um SelbstVerwirklichung. Selbstverwirklichung ist ein Nebenprodukt von Sinnverwirklichung. Selbstverwirklichung stellt sich dann von selbst ein als eine Wirkung der Sinnerfüllung, aber nicht als deren Zweck. Nur Existenz, die sich selbst transzendiert, kann sich selbst verwirklichen, während sie, die selbst bzw. Selbstverwirklichung intendierend, sich selbst nur verfehlen würde. [Frankl 1987] Der Mensch kommt nicht zu sich selbst, wenn er beständig um sich kreist, sich selbst beobachtet. Nach Frankl kommt der Mensch nur zu sich selbst, wenn er sich abwendet, von sich wegsieht, sich einer Person, Idee oder Sache zuwendet. Die Abwendung von sich und die Zuwendung zu einer konkreten Lebensaufgabe entsprechen einander in der Logotherapie. Dereflexion will dem Menschen demnach die Augen öffnen, daß er frei wird zur wesentlichen Gestaltung seines Lebens. In der Fähigkeit zur Selbsttranszendenz kommt die Weltoffenheit des Menschen zum Ausdruck. Die Logotherapie sieht den Menschen als Agierenden, der in die Welt hinaus, in sie hinein handelt. [Hahn 1994, S.46] Frankl nennt drei Wertekategorien, die es dem Menschen ermöglichen, Sinn zu verwirklichen: schöpferische Werte, Erlebniswerte und Einstellungswerte. Zu den einzelnen Kategorien:  Schöpferische Werte: Dies meint Aktivitäten aus der Person heraus, etwas (materielles) zu erschaffen, also von sich nach außen, z.B. eine Idee in ein Produkt umzusetzen.
- Erlebniswerte: Die meint – jenseits aller Aktivitäten – etwas zu erleben, das von außen auf die Persönlichkeit wirkt: Natur, Musik, Kunst, die Beziehung zu anderen Menschen, können zu einem Erlebnis voller Wert werden, z.B. in folgender Aussage ausgedrückt: “Der Job ist zwar blöde und langweilig, aber die Leute sind so nett. Ich würde den Job wegen der Menschen dort nie aufgeben.”
- Einstellungswerte: Hier geht es um die Haltung zu Dingen oder Ereignissen, die wir nicht ändern können. Wie hier Sinn gesehen werden kann, soll in folgendem Beispiel aus Frankls klinischer Praxis dargestellt werden.

Literaturangaben [Berschneider 2003]: Berschneider, Werner: Sinnzentrierte Unternehmensführung. Lindau, 2003, ISBN 3-8311-4858-9 [Böckmann 1980]: Böckmann, Walter: Sinn-orientierte Leistungsmotivation und Mitarbeiterführung, Stuttgart, 1980, ISBN 3- 432-91371-0 [Frankl 1987]: Frankl, Viktor E.: Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3- 423-34427-X [Frankl 1994]: Frankl, Viktor E.: Die Sinnfrage in der Psychotherapie, München, 1994, ISBN 3-492-10214-X [Frankl 1997a]: Frankl, Viktor E.: Das Leiden am sinnlosen Leben. Psychotherapie für heute, Freiburg, Basel, Wien, 1997, ISBN 3-451- 04030-1 [Frankl 1997b]: Frankl, Viktor E: Der Wille zum Sinn. Ausgewählte Vorträge über Logotherapie, München, 1997, ISBN 3-456-85077-8 [Frankl 1988]: Frankl, Viktor E.: Der unbewußte Gott. Psychotherapie und Religion, München, 1988, ISBN 3-423-35058-X [Hahn 1994]: Hahn, Udo: Sinn suchen – Sinn finden: was ist Logotherapie?, Göttingen, Zürich, 1994, ISBN 3-525-01805-3 [Riedel 2002]: Riedel, Christoph; Deckart, Renate; Noyon, Alexander: Existenzanalyse und Logotherapie. Ein Handbuch für Studium und Praxis, Darmstadt, 2002 ISBN 3-534-21480-3